10. Juli 2026
Dorschangeln in der Ostsee
Als wir uns für unseren Urlaub auf Rügen entschieden hatten, stand für uns schnell fest: Wenn wir schon an der Ostsee sind, dann möchten wir auch die Gelegenheit nutzen, dort zu angeln. Rückblickend können wir sagen, dass dies eine der besten Entscheidungen unseres Urlaubs war.
Warum Rügen und warum Glowe?
Nach einigen Urlauben in südlichen Regionen zog es uns 2019 erstmals nach Rügen. Bei der Planung fiel unsere Wahl schnell auf den kleinen Küstenort Glowe. Die Lage erwies sich als ideal, denn von hier aus waren viele der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel bequem erreichbar: der Königsstuhl mit seinen beeindruckenden Kreidefelsen, das Ostseebad Binz, Prora mit seiner bewegten Geschichte sowie das Kap Arkona.
Mit diesen Ausflugszielen, einem Angeltag auf der Ostsee und natürlich Zeit für Strand und Meer war unser Aufenthalt schnell verplant.
Über unseren Rügen-Urlaub im Allgemeinen werde ich noch gesondert berichten. Hier soll es vor allem um eines gehen: unseren unvergesslichen Tag beim Dorschangeln auf der Ostsee.
Die Entscheidung für eine geführte Angeltour
Da wir unbedingt mit dem Boot hinaus auf die Ostsee wollten, war schnell klar, dass wir einen erfahrenen Guide buchen würden. Zwar können in der Region auch kleinere Boote ohne Bootsführerschein gemietet werden, doch ohne Orts- und Gewässerkenntnisse sinken die Chancen auf einen erfolgreichen Angeltag deutlich.
Wichtig ist außerdem der Erwerb einer gültigen Angelerlaubnis für Mecklenburg-Vorpommern. Diese kann heute unkompliziert online beantragt werden. Mit dieser Erlaubnis ist auch das Angeln vom Ufer möglich. Wir haben unser Glück beispielsweise am Bodden, in Hafenbereichen und direkt am Strand versucht. Neben einigen kleineren Barschen blieb der große Erfolg jedoch aus. Allerdings waren diese Ausflüge eher spontane Abendunternehmungen als ernsthafte Angelaktionen.
Für die Ostseetour entschieden wir uns damals für einen Anbieter, der speziell Familienausflüge anbot. Besonders wichtig war uns, in einer kleinen Gruppe unterwegs zu sein. Tatsächlich waren wir letztlich nur zu viert auf dem Boot – perfekte Voraussetzungen für einen entspannten und persönlichen Angelausflug.
Aufbruch in die Ostsee
Bereits am frühen Morgen trafen wir uns im Hafen von Glowe. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung ging es an Bord. Schwimmwesten standen selbstverständlich in verschiedenen Größen bereit, sodass auch Kinder optimal ausgestattet waren.
Die komplette Angelausrüstung wurde gestellt und befand sich in ausgezeichnetem Zustand. Gerade beim Meeresangeln ist dies ein großer Vorteil, denn Salzwasser und salzhaltige Luft setzen gewöhnlichem Süßwasserequipment auf Dauer erheblich zu.
Schon die Ausfahrt war ein Erlebnis. Entlang der Küste zwischen den Kreidefelsen und Kap Arkona bot sich uns ein beeindruckender Blick auf die Landschaft. Besonders faszinierend war die Perspektive vom Wasser aus, nachdem wir die Tage zuvor dieselben Sehenswürdigkeiten von Land betrachtet hatten.
Die ersten Fische
Mithilfe moderner Echolottechnik konnten vielversprechende Stellen schnell gefunden werden. Bereits nach kurzer Zeit hing der erste Dorsch am Haken. Dieser war allerdings noch zu klein und durfte selbstverständlich wieder zurück in sein Element.
Zusätzlich versuchten wir unser Glück auf Plattfische am Grund. Auch wenn wir dabei keinen Erfolg hatten, war es spannend zu sehen, mit welchen Methoden und Kniffen erfahrene Ostseeangler arbeiten. Besonders gefallen hat uns, dass wir verschiedene Angeltechniken kennenlernen konnten und nicht auf eine einzige Fischart festgelegt waren.
Gefischt wurde überwiegend mit Gummiködern beim Vertikalangeln. Da die meisten Angelplätze sehr steinig waren, wäre ein klassisches Einholen über den Grund mit hohen Köderverlusten verbunden gewesen. Das vertikale Fischen erwies sich hier als deutlich sinnvoller.
Der Hotspot – und plötzlich ging alles ganz schnell
Nach etwa zweieinhalb Stunden fanden wir schließlich eine Stelle, die wir so schnell nicht vergessen werden.
Plötzlich schien es, als hätten wir einen riesigen Schwarm aktiver Dorsche direkt unter dem Boot entdeckt. Kaum erreichten die Köder das Wasser, wurden sie attackiert. Oft kamen sie gar nicht mehr bis zum Grund, bevor ein Fisch zubiss.
Was dann folgte, war einer dieser seltenen Angeltage, von denen man noch Jahre später begeistert erzählt. Innerhalb kurzer Zeit landeten zahlreiche schöne Dorsche im Boot. Selbst unser Guide stand mit einem breiten Grinsen an der Reling und konnte kaum glauben, wie konstant die Bisse kamen.
Für uns war dies zweifellos der Höhepunkt des gesamten Urlaubs.
Zurück im Hafen
Nach erfolgreicher Tour ging es schließlich zurück nach Glowe. Stolz auf unseren Fang und erfüllt von den Erlebnissen des Tages traten wir die Rückfahrt an.
Ein Problem hatten wir jedoch nicht bedacht: In unserem Ferienhaus stand lediglich ein Kühlschrank, aber keine Gefriertruhe zur Verfügung. Dadurch konnten wir nur einen Teil unseres Fangs selbst mitnehmen.
Den übrigen Fisch überließen wir nach Absprache unserem Guide, sodass alles sinnvoll verwertet wurde. Andernfalls hätten wir die Tour deutlich früher abbrechen müssen, was dieses außergewöhnliche Erlebnis erheblich verkürzt hätte.
Frischer Dorsch vom Grill
Die beiden Dorsche, die wir behalten konnten, wurden selbstverständlich noch am selben Abend gegrillt.
Die Zubereitung fiel bewusst schlicht aus: etwas Salz, frisch gemahlener Pfeffer, Kräuter und einige Zitronenscheiben. Mehr braucht ein wirklich frischer Ostseedorsch eigentlich nicht.
Auch wenn uns vor Ort nicht das optimale Grillequipment zur Verfügung stand, war das Ergebnis beeindruckend. Das Fleisch war fest, saftig und von einem hervorragenden Eigengeschmack geprägt. Jeder Bissen bestätigte, warum frisch gefangener Fisch etwas ganz Besonderes ist.
Umso mehr bedauerten wir, nicht mehr davon mit nach Hause nehmen zu können.
Fazit
Der Angeltag auf der Ostsee gehört ohne Zweifel zu den schönsten Erlebnissen unseres Rügen-Urlaubs. Die Kombination aus beeindruckender Natur, spannender Fischerei, fachkundiger Begleitung und einem außergewöhnlichen Fang machte diesen Tag unvergesslich.
Eines steht deshalb fest: Das werden wir wiederholen. Die Ostsee bietet eine Vielzahl interessanter Fischarten und unzählige Möglichkeiten für neue Abenteuer auf dem Wasser.
Petri Heil und vielleicht bis zum nächsten Ostsee-Abenteuer!
