Grillabdeckung: Schutz oder Schimmelfalle?

Grillabdeckung - Schutz oder Schimmelfalle?

Kaum ein Zubehörteil wird beim Grillkauf so häufig empfohlen wie die passende Abdeckhaube. Die Argumente klingen zunächst überzeugend: Der Grill bleibt vor Regen, Schmutz und Witterungseinflüssen geschützt und soll dadurch länger schön aussehen.

In der Praxis habe ich jedoch die Erfahrung gemacht, dass eine Abdeckhaube nicht immer nur Vorteile mit sich bringt.

Besonders in der kalten und feuchten Jahreszeit kommt es häufig vor, dass der Grill über längere Zeit nicht genutzt wird. Wenn dann endlich wieder die Lust auf einen Grillabend aufkommt und die Haube entfernt wird, folgt manchmal die unschöne Überraschung: Im Inneren hat sich ein weißlicher Belag gebildet.

Die Ursache ist meist schnell gefunden: Feuchtigkeit konnte nicht ausreichend entweichen und hat in Verbindung mit organischen Rückständen ideale Bedingungen für Schimmel geschaffen.

Keine Sorge – ein verschimmelter Grill ist in den meisten Fällen kein Grund zur Panik. Zwar sieht der Belag wenig appetitlich aus, lässt sich jedoch recht einfach beseitigen. Der Grill sollte dafür bei voller Leistung beziehungsweise mit kräftiger Holzkohlehitze gründlich aufgeheizt werden. Anschließend werden Rost und Innenraum sorgfältig gereinigt und abgebürstet. Die hohen Temperaturen sorgen dafür, dass der Schimmel zuverlässig beseitigt wird. Dennoch sollte man vor allem bei Low-&-Slow-Gerichten oder längeren Grillpausen darauf achten, dass der Grill sauber und hygienisch einwandfrei ist.

Da meine Grills das ganze Jahr über im Freien stehen, verzichte ich möglichst auf eine dauerhafte Abdeckung. Moderne Grills bestehen häufig aus beschichteten Materialien oder Edelstahl und sind grundsätzlich gut gegen Witterungseinflüsse geschützt. Größere Sorgen wegen Rost oder Korrosion habe ich daher nicht.

Allerdings hängt vieles von der jeweiligen Konstruktion des Grills ab.

Mein Langzeittest: Weber vs. Napoleon

Mein persönlicher Sieger in dieser Disziplin ist eindeutig mein Weber-Kugelgrill. Nachdem ich ihn im ersten Winter noch gewissenhaft abgedeckt hatte und dabei die ersten Erfahrungen mit Feuchtigkeitsproblemen gesammelt habe, blieb die Haube dauerhaft im Schrank. Seit über zehn Jahren steht der Grill inzwischen weitgehend ungeschützt im Freien – und das völlig problemlos.

Bei meinem Napoleon Lex sah die Situation leider anders aus. Anfangs war ich überzeugt, auch hier keine Abdeckhaube zu benötigen. Doch bereits nach dem ersten stärkeren Regen zeigte sich eine konstruktive Schwäche: Wasser gelangte ins Grillinnere und lief über die Tropfwanne in die Fettauffangschale. Deren Fassungsvermögen reichte für die Wassermengen allerdings nicht aus.

Das Ergebnis war wenig erfreulich: Während das Wasser die Fettauffangschale nahezu ausgespült hatte, verteilte sich das restliche Fett im Unterschrank des Grills. Die anschließende Reinigung gehörte definitiv nicht zu meinen schönsten Grillerlebnissen.

Seitdem besitzt der Lex eine passende Abdeckhaube. Nach längeren feuchten Wetterperioden wird er vor dem Grillen einfach gründlich aufgeheizt und ausgebrannt. Damit fahre ich inzwischen sehr gut.

Mein Fazit

Eine Grillhaube ist weder pauschal gut noch schlecht. Entscheidend sind die Bauweise des Grills, der Standort und die persönlichen Grillgewohnheiten.

Wer seinen Grill regelmäßig nutzt und für ausreichend Belüftung sorgt, kann bei vielen Modellen sogar ganz auf eine Abdeckung verzichten. Wird eine Haube verwendet, sollte man jedoch immer im Hinterkopf behalten, dass sie nicht nur Regen fernhält, sondern unter ungünstigen Bedingungen auch Feuchtigkeit einschließen kann.

Denn am Ende ist ein Grill, der etwas Patina angesetzt hat, meist deutlich angenehmer als ein makellos sauberer Grill mit einem unerwünschten Schimmelproblem. 🔥😊

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